Die Vokabel kursiert mit hohem Tempo in der öffentlichen Diskussion: der Klimaschutz. Wer sie benutzt, hat nicht verstanden, dass das Abstraktum Klima nicht zu schützen ist - höchstens kann man versuchen, die Folgen der Aufheizung unseres Planten zu mildern. Wer die Volkabel Klimaschutz benutzt, tröstet sich mit der Illusion, es sei kurz vor Zwölf - dabei ist es schon später. Wer will, kann beim Gebrauch der Vokabel aufmerken und sich vom Ausmaß der Beschwichtigung ein Bild machen.
Der heutige Beleg aus der Werkstatt des Qualitätsjournalismus (17.6.2019, S. 15; F.A.Z.):
"Mindestens 100 Milliarden für den Klimaschutz", lautet der Titel des Textes; Untertitel: "Grüne schließen Steuererhöhungen oder neue Schulden für einen neuen Klimafonds nicht aus". Der erste Satz: "Die Grünen wollen einen dreistelligen Milliardenbetrag in die Hand nehmen, um das Klima
zu verbessern". Verbessern: wollen sie das? Im Text ist von dieser Absicht nicht die Rede. Wohl von der Veränderung unserer Lebensbewegungen. So wird vernünftige Politik diskreditiert.
Montag, 17. Juni 2019
Neues von den Hütern der heiligen Kuh: sie will nicht so recht (85). Das Problem undichter Lithium-Batterien bei Audi
"Audi ruft rund 7000 Elektroautos zurück", berichtet die Frankfurter
Allgemeine Zeitung am 12. 6.2019 (S. 20). Eine fehlerhafte Dichtung schützt die Lithium-Batterien nicht ausreichend vor Feuchtigkeit. Deren "hohe Energiedichte", so die Zeitung, lasse sie "empfindlich auf Hitze, Druck oder Überladung reagieren. Die Batteriehersteller weisen selbst auf dieses Risiko hin. Vor allem der amerikanische Elektro-Vorreiter Tesla ist immer wieder mit diesen Schwierigkeiten aufgefallen. Inzwischen sind gut ein Dutzend Fälle bekannt, in denen Tesla-Autos nach Unfällen oder beim Aufladen der Batterie in Flammen aufgingen".
Neulich warnte die Kölner Feuerwehr vor diesen Batterie-Bränden: sie seien enorm schwer zu löschen. Was sagt uns das? Die Wirklichkeit ist immer komplizierter. Der Fortschritt schreitet langsam. Die flotten Versprechen mancher Herren sind eben nur flott gesagt.
Allgemeine Zeitung am 12. 6.2019 (S. 20). Eine fehlerhafte Dichtung schützt die Lithium-Batterien nicht ausreichend vor Feuchtigkeit. Deren "hohe Energiedichte", so die Zeitung, lasse sie "empfindlich auf Hitze, Druck oder Überladung reagieren. Die Batteriehersteller weisen selbst auf dieses Risiko hin. Vor allem der amerikanische Elektro-Vorreiter Tesla ist immer wieder mit diesen Schwierigkeiten aufgefallen. Inzwischen sind gut ein Dutzend Fälle bekannt, in denen Tesla-Autos nach Unfällen oder beim Aufladen der Batterie in Flammen aufgingen".
Neulich warnte die Kölner Feuerwehr vor diesen Batterie-Bränden: sie seien enorm schwer zu löschen. Was sagt uns das? Die Wirklichkeit ist immer komplizierter. Der Fortschritt schreitet langsam. Die flotten Versprechen mancher Herren sind eben nur flott gesagt.
Neues von den betrügerischen Hütern der Heiligen Kuh aus Wolfsburg: die Kosten! die Kosten! (84) Bislang 1.77 Milliarden an Anwaltskosten
"Hohe Kosten für Volkswagen" war die kleine Notiz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (15.6.2019, S. 22, Nr. 137) am unteren Rand der Seite im Wirtschaftsteil überschrieben:
"Der Abgas-Skandal kommt VW auch bei seinen Beratern teuer. 1,77 Millliarden Euro hat der Konzern bislang im Hinblick auf alle Märkte und Marken an Honoraren gezahlt, darunter an Hering Schupener, Deloitte und Kanzeleien wie Freshfields, Jones Day sowie Kirkland & Ellis. Das bestätigte ein Konzernsprecher. Zunächst hatte das Handelsblatt über die Kosten der Aufarbeitung der Diesel-Affäre berichtet".
So teuer kommt (bislang) die Aufarbeitung des Skandals oder der Affäre. Der Satz ist eine F.A.Z.-Beschwichtigung. So teuer kommt Betrügern ein strafrechtlich relevanter Betrug. Viel Geld für die massive (juristische) Verschanzung und für die fortgesetzte (strafrechtlich nicht relevante) Betrügerei gebrochener Versprechen zügiger Aufklärung. Was wurde bislang in Wolfsburg aufgearbeitet?
Wenig.
Was folgt?
Ein langer Rechtsstreit. Das Oberlandesgericht Koblenz gab neulich einem Kläger recht und verurteilte VW zur Entschädigung von fast 26.000 Euro (Quelle: F.A.Z. vom 13.6.2019, S. 18, Nr. 135). Dies ist das vierte Urteil eines Oberlandesgerichts zugunsten eines Käufers oder einer Käuferin. Dagegen existieren 25 Urteile von Oberlandesgerichten zugunsten des VW-Konzerns oder von VW-Händlern. Ein definitives Urteil des Bundesgerichtshofes dazu steht noch aus.
Wie hoch sind die Kosten dieser Verfahren? Wer zahlt sie?
"Der Abgas-Skandal kommt VW auch bei seinen Beratern teuer. 1,77 Millliarden Euro hat der Konzern bislang im Hinblick auf alle Märkte und Marken an Honoraren gezahlt, darunter an Hering Schupener, Deloitte und Kanzeleien wie Freshfields, Jones Day sowie Kirkland & Ellis. Das bestätigte ein Konzernsprecher. Zunächst hatte das Handelsblatt über die Kosten der Aufarbeitung der Diesel-Affäre berichtet".
So teuer kommt (bislang) die Aufarbeitung des Skandals oder der Affäre. Der Satz ist eine F.A.Z.-Beschwichtigung. So teuer kommt Betrügern ein strafrechtlich relevanter Betrug. Viel Geld für die massive (juristische) Verschanzung und für die fortgesetzte (strafrechtlich nicht relevante) Betrügerei gebrochener Versprechen zügiger Aufklärung. Was wurde bislang in Wolfsburg aufgearbeitet?
Wenig.
Was folgt?
Ein langer Rechtsstreit. Das Oberlandesgericht Koblenz gab neulich einem Kläger recht und verurteilte VW zur Entschädigung von fast 26.000 Euro (Quelle: F.A.Z. vom 13.6.2019, S. 18, Nr. 135). Dies ist das vierte Urteil eines Oberlandesgerichts zugunsten eines Käufers oder einer Käuferin. Dagegen existieren 25 Urteile von Oberlandesgerichten zugunsten des VW-Konzerns oder von VW-Händlern. Ein definitives Urteil des Bundesgerichtshofes dazu steht noch aus.
Wie hoch sind die Kosten dieser Verfahren? Wer zahlt sie?
Donnerstag, 13. Juni 2019
Was ist mit der S.P.D.? Stunk in der Bude. Panisches Fantasieren
Die Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles hat ihre Ämter aufgegeben. Sie hat, wie wir das aus dem Alltag kennen, die Tür hinter sich krachend zugeschlagen und damit ihre Überlastung (wie auch immer) kommuniziert. Öffentlicher Riesen-Aufschrei: Das haben wir so nicht gewollt. Was dann? Öffentliche Heuchelei angesichts des Vergnügens am Holzhacken. Das Ergebnis der Europawahl war mager; in Bremen verlor die S.P.D. ihre Mehrheit. In der A.R.D.-Umfrage, in den Tagesthemen präsentiert (am 5.6.), war die Prozentquote der Zustimmung für die S.P.D. einstellig; für die Union kaum besser. Die Redaktion der Tagesthemen spielt gern das Spiel: Was wäre, wenn am Sonntag gewählt würde? Für die Beantwortung der Frage werden ein paar Demoskopen gut bezahlt, die das politische Geschäft des Quälens & Fantasierens unterfüttern, das dann mit der abwinkenden Handbewegung beschwichtigt wird: Nur ein Stimmungsbild - keine Prognose! Anschließend wird das Stimmungsbild zur Wirklichkeit, wenn die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker gefragt werden: Wie sehen Sie das?
Die geben dann brav Auskunft und raufen sich die Haare. Müssen sie das? Nein. Keiner sagt: Seit wann wird mit demoskopischen Umfragen Politik gemacht? Keiner sagt: Was soll der Scheiß' mit Stimmungsbildern zwischen den Wahlen? Herbert Wehner hätte das damals - in den 60er oder 70er Jahren - vielleicht so gesagt. Der ließ sich ungern bedrängen und ließ die Bedränger auflaufen. Das war manchmal ziemlich rüde und traf den Falschen. Manchmal traf er auch den eigenen Mann. Er verteidigte die S.P.D. mit allen seinen Mitteln. Er war unberechenbar. Nach den Bundestagswahlen 2017 gaben sich Martin Schulz und Andrea Nahles aufsässig und versprachen eine aggressive Opposition. Das war nicht gern gesehen. Heute kann man vielleicht sagen: Es wäre zu sehr um die Sache gegangen. Vermeiden, Leugnen & Aufschieben sind die beliebten politischen Mittel. Ungenauigkeit statt Genauigkeit, Klatsch & Tratsch statt Streit. Umarmen statt Sich-Differenzieren. Sich-Unterwerfen statt Protestieren. Mitspielen statt Ausscheren.
Jetzt haben wir den Salat. 1967 fragte Karl Jaspers mit seinem Buch Wohin treibt die Bundesrepublik? Es gab einen mächtigen Aufschrei. Ja, wohin treibt sie heute? Wir haben eine gelähmte Regierung. Deren (gegenwärtiges wie künftiges) Personal ist dem öffentlichen Spott preisgegeben. Das ist unterhaltsam, lenkt aber ab. Und gleichzeitig fantasieren wir öffentlich eine andere (neue) Regierung. Deren (mögliches) Personal wird mächtig idolisiert. Das ist unterhaltsam, vertröstet aber auf irgendeinen fernen Zeitpunkt. Wann hört das auf?
Die geben dann brav Auskunft und raufen sich die Haare. Müssen sie das? Nein. Keiner sagt: Seit wann wird mit demoskopischen Umfragen Politik gemacht? Keiner sagt: Was soll der Scheiß' mit Stimmungsbildern zwischen den Wahlen? Herbert Wehner hätte das damals - in den 60er oder 70er Jahren - vielleicht so gesagt. Der ließ sich ungern bedrängen und ließ die Bedränger auflaufen. Das war manchmal ziemlich rüde und traf den Falschen. Manchmal traf er auch den eigenen Mann. Er verteidigte die S.P.D. mit allen seinen Mitteln. Er war unberechenbar. Nach den Bundestagswahlen 2017 gaben sich Martin Schulz und Andrea Nahles aufsässig und versprachen eine aggressive Opposition. Das war nicht gern gesehen. Heute kann man vielleicht sagen: Es wäre zu sehr um die Sache gegangen. Vermeiden, Leugnen & Aufschieben sind die beliebten politischen Mittel. Ungenauigkeit statt Genauigkeit, Klatsch & Tratsch statt Streit. Umarmen statt Sich-Differenzieren. Sich-Unterwerfen statt Protestieren. Mitspielen statt Ausscheren.
Jetzt haben wir den Salat. 1967 fragte Karl Jaspers mit seinem Buch Wohin treibt die Bundesrepublik? Es gab einen mächtigen Aufschrei. Ja, wohin treibt sie heute? Wir haben eine gelähmte Regierung. Deren (gegenwärtiges wie künftiges) Personal ist dem öffentlichen Spott preisgegeben. Das ist unterhaltsam, lenkt aber ab. Und gleichzeitig fantasieren wir öffentlich eine andere (neue) Regierung. Deren (mögliches) Personal wird mächtig idolisiert. Das ist unterhaltsam, vertröstet aber auf irgendeinen fernen Zeitpunkt. Wann hört das auf?
Freitag, 31. Mai 2019
Gemerkel 11: Unsere Bundeskanzlerin hielt in Harvard, Boston, U.S.A., eine schlappe Rede: ungenügend! Setzen!
Es war eine vertraute Rede unserer Kanzlerin: rührselig, ungenau und indirekt adressiert. Sie begann mit Hermann Hesses Wort vom Anfang, der einen Zauber hat - sinngemäß zitiert; Hermann Hesses Wort war zugleich die durchlaufende Metapher und das Leitmotiv ihrer Rede. Den Zauber habe ich noch nie erlebt; ich habe ihn bislang als eine schlechte Beschreibung für eine schwierige Lebenssituation des Übergangs gehalten; ob ein Übergang sich als ein Anfang erweist, stellt sich vielleicht erst im Hinterher heraus. Mit einem Wort: Angela Merkels Rede ist nicht aus der Perspektive einer Frau gehalten, die ein enorm schwieriges Amt ausübt.
Drei Belege.
1. Angela Merkel empfahl, sich bei Entscheidungen die folgende Frage vorzulegen: tue ich etwas, weil ich es für richtig halte, oder tue ich etwas, weil ich es für möglich halte? Das ist das Tagesgeschäft einer Politikerin, die abzuwägen versucht, was vernünftig ist und was sie glaubt, den Repräsentanten ihrer Partei und/oder ihrer Wählerschaft zumuten zu können. Über diesen täglichen Konflikt im politischen Alltag, für den seit Bill Clintons Zeiten mehr und mehr demoskopische Studien in Auftrag gegeben und zu Rate gezogen werden, sagte sie kein Wort darüber, wie sie ihn von Fall zu Fall löst oder nicht löst.
2. Angela Merkel (Jahrgang 1954) gab ihr Versprechen, dass sie sich mit ganzer Kraft (ihre Worte) für die Klimaneutralität im Jahr 2050 einsetzen (ihr Wort) will. Sie kann sich in ihrem Amt nur noch bis 2021 mit ganzer Kraft einsetzen. Was kommt danach? Was will sie dann tun? Sie wurde in Hamburg am 17. Juli 1954 geboren - 13 Tage nach unserem heimlichen Nationalfeiertag (unserem eigenen Independence Day), dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft im Schweizerischen Bern -, 2050 wäre sie 96 Jahre alt. Ihr Versprechen trägt nicht weit.
3. Den gegenwärtigen U.S.-Präsidenten erwähnte sie mit keinem Wort. Aber im Subtext ihrer Rede war er adressiert. In ihrem Text beschrieb sie die Notwendigkeit einer fairen, abgestimmten, gemeinsamen Politik der Redlichkeit - und verwarf eine Politik, die Wahrheiten Lügen und Lügen Wahrheiten nennt.
Das war indirekt, aber deutlich. Das war nicht falsch und klang gut. Aber sie sparte ihr Problem aus, wie sie mit Donald Trump gemeinsame, vernünftige Politik zu machen versucht. Sie rechnete für ihren Gratismut mit dem Einverständnis ihrer akademischen Zuhörerschaft, aber sie schloss die nicht einverstandenen, abwesenden Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten aus. War das taktvoll und angemessen? Sie verletzte das von ihr so propagierte Ideal der Gemeinsamkeit. Wie so oft löste sie mit ihrer Praxis des Handelns ihre Praxis der Beschwichtigungsformeln nicht ein.
Was mir noch auffiel.
Angela Merkel beendete ihre Rede mit der caesarischen Geste des vielfachen Winkens in das Publikum - als hätte sie eine Wahlkampfrede gehalten, für die sie den Beifall der Zustimmung kassierte. Hatte sie da nicht etwas verwechselt?
Drei Belege.
1. Angela Merkel empfahl, sich bei Entscheidungen die folgende Frage vorzulegen: tue ich etwas, weil ich es für richtig halte, oder tue ich etwas, weil ich es für möglich halte? Das ist das Tagesgeschäft einer Politikerin, die abzuwägen versucht, was vernünftig ist und was sie glaubt, den Repräsentanten ihrer Partei und/oder ihrer Wählerschaft zumuten zu können. Über diesen täglichen Konflikt im politischen Alltag, für den seit Bill Clintons Zeiten mehr und mehr demoskopische Studien in Auftrag gegeben und zu Rate gezogen werden, sagte sie kein Wort darüber, wie sie ihn von Fall zu Fall löst oder nicht löst.
2. Angela Merkel (Jahrgang 1954) gab ihr Versprechen, dass sie sich mit ganzer Kraft (ihre Worte) für die Klimaneutralität im Jahr 2050 einsetzen (ihr Wort) will. Sie kann sich in ihrem Amt nur noch bis 2021 mit ganzer Kraft einsetzen. Was kommt danach? Was will sie dann tun? Sie wurde in Hamburg am 17. Juli 1954 geboren - 13 Tage nach unserem heimlichen Nationalfeiertag (unserem eigenen Independence Day), dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft im Schweizerischen Bern -, 2050 wäre sie 96 Jahre alt. Ihr Versprechen trägt nicht weit.
3. Den gegenwärtigen U.S.-Präsidenten erwähnte sie mit keinem Wort. Aber im Subtext ihrer Rede war er adressiert. In ihrem Text beschrieb sie die Notwendigkeit einer fairen, abgestimmten, gemeinsamen Politik der Redlichkeit - und verwarf eine Politik, die Wahrheiten Lügen und Lügen Wahrheiten nennt.
Das war indirekt, aber deutlich. Das war nicht falsch und klang gut. Aber sie sparte ihr Problem aus, wie sie mit Donald Trump gemeinsame, vernünftige Politik zu machen versucht. Sie rechnete für ihren Gratismut mit dem Einverständnis ihrer akademischen Zuhörerschaft, aber sie schloss die nicht einverstandenen, abwesenden Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten aus. War das taktvoll und angemessen? Sie verletzte das von ihr so propagierte Ideal der Gemeinsamkeit. Wie so oft löste sie mit ihrer Praxis des Handelns ihre Praxis der Beschwichtigungsformeln nicht ein.
Was mir noch auffiel.
Angela Merkel beendete ihre Rede mit der caesarischen Geste des vielfachen Winkens in das Publikum - als hätte sie eine Wahlkampfrede gehalten, für die sie den Beifall der Zustimmung kassierte. Hatte sie da nicht etwas verwechselt?
Mittwoch, 29. Mai 2019
Ein junger Mann mischt auf: Rezo, der Prinz Eisenherz im Internet
Man muss die jungen Leute umarmen: Endlich!, endlich!, endlich! wird ein neuer Ton angeschlagen.
Fröhlich und polemisch rempelt er unsere Regierung an: Es geht zu langsam!, ruft er in die Kamera. Was folgt? Ein Aufschrei. Zu viele Widerworte! Zu ungenau! Zu viel eigenes Geschäft! Zu viel Parteinahme - und das vor einer Parteien -Wahl! Was folgt noch? Wir brauchen Regeln! Oder Regulierungen! Nein, nur Regeln!
Jetzt hat sich die Vorsitzende der christdemokratischen Union verheddert: Freie Meinungsäußerung schon, aber richtig - in unserem Sinne. So ungefähr. Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Karneval als Toilettenfrau auftrat und ihre Verachtung dieser Arbeit präsentierte und ihr Unverständnis sexueller Identitäten zum besten gab, folgte einem Motto meiner Großmutter: Jeder blamiert sich, so gut er kann.
So gut hätte sie sich nicht blamieren müssen.
Fröhlich und polemisch rempelt er unsere Regierung an: Es geht zu langsam!, ruft er in die Kamera. Was folgt? Ein Aufschrei. Zu viele Widerworte! Zu ungenau! Zu viel eigenes Geschäft! Zu viel Parteinahme - und das vor einer Parteien -Wahl! Was folgt noch? Wir brauchen Regeln! Oder Regulierungen! Nein, nur Regeln!
Jetzt hat sich die Vorsitzende der christdemokratischen Union verheddert: Freie Meinungsäußerung schon, aber richtig - in unserem Sinne. So ungefähr. Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Karneval als Toilettenfrau auftrat und ihre Verachtung dieser Arbeit präsentierte und ihr Unverständnis sexueller Identitäten zum besten gab, folgte einem Motto meiner Großmutter: Jeder blamiert sich, so gut er kann.
So gut hätte sie sich nicht blamieren müssen.
Don't jump a queue! Lektüre eines Journalismus (88)
Der schlimmste Fehltritt im englischen Alltag ist (meiner Erfahrung nach): das soziale Gefüge der Wartenden zu missachten und sich in einer Schlange vorzudrängeln. Man wird sofort zurückgepfiffen. Demütiges Anstellen und Aushalten der letzten Position sind zu empfehlen. Gestern (28.5.2019) las ich in der Zeitung für die vorsichtigen Köpfe (S. 15) diese Überschrift: "SPD prescht plötzlich mit Klimaschutzgesetz vor".
Das Verbum vorpreschen zu gebrauchen, ist ein journalistischer Kotau. Hier wird unserer Bundesumweltministerin Svenja Schulze (von der SPD) der Vorwurf gemacht, sich nicht an den Regierungskonsens des lähmenden, beschwichtigenden Ja-Aber derjenigen zu halten, die an der Spitze der Schlange stehen: die Truppe der Meisterin des Verschleppens - der Bundeskanzlerin. Die Zeit drängt. Wer bringt diese Truppe ans Laufen? Wer traut sich zu sagen, dass das so genannte Klimaschutzgesetz ein einlullender Euphemismus ist?
Zum Schützen ist es zu spät. Das hätte in den 70er Jahren geschehen müssen. Jetzt geht es nur um die Milderung der Folgen. Da kann man nicht genug vorpreschen. Das Tempo der Veränderung muss erhöht werden. Es geht um ein gründliches Nachdenken und Diskutieren einer zügigen Revision unserer Lebensformen. Unsere aufwendigen Bewegungsformen müssen drastisch reduziert werden.
Dafür vorzupreschen, kann man offenbar von der Zeitung für die nachsichtigen Köpfe schlecht erwarten: sie hängt fest im Geschäft der Propagierung aufwendiger Bewegungsformen - siehe die große Doppelseite der BMW-Werbung für den The 8 - ein Riesen-Cabriolet (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.5.2019, S. 6 + 7).
Das Verbum vorpreschen zu gebrauchen, ist ein journalistischer Kotau. Hier wird unserer Bundesumweltministerin Svenja Schulze (von der SPD) der Vorwurf gemacht, sich nicht an den Regierungskonsens des lähmenden, beschwichtigenden Ja-Aber derjenigen zu halten, die an der Spitze der Schlange stehen: die Truppe der Meisterin des Verschleppens - der Bundeskanzlerin. Die Zeit drängt. Wer bringt diese Truppe ans Laufen? Wer traut sich zu sagen, dass das so genannte Klimaschutzgesetz ein einlullender Euphemismus ist?
Zum Schützen ist es zu spät. Das hätte in den 70er Jahren geschehen müssen. Jetzt geht es nur um die Milderung der Folgen. Da kann man nicht genug vorpreschen. Das Tempo der Veränderung muss erhöht werden. Es geht um ein gründliches Nachdenken und Diskutieren einer zügigen Revision unserer Lebensformen. Unsere aufwendigen Bewegungsformen müssen drastisch reduziert werden.
Dafür vorzupreschen, kann man offenbar von der Zeitung für die nachsichtigen Köpfe schlecht erwarten: sie hängt fest im Geschäft der Propagierung aufwendiger Bewegungsformen - siehe die große Doppelseite der BMW-Werbung für den The 8 - ein Riesen-Cabriolet (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.5.2019, S. 6 + 7).
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