Donnerstag, 17. Januar 2019

Öffentliches Kopfschütteln: unser schneidiger Außenminister und der aufrechte Journalist

 Heute Morgen am Donnerstag, dem 17.1.2019, wird unser Außenminister Heiko Maas in Berthold Kohlers Kommentar auf der ersten Seite der Zeitung für die... Sie wissen schon... zitiert: dass die "Zeit der Spielchen" (nach der Ablehnung der ausgehandelten Vereinbarungen des Austritts aus der E.U. im britischen Parlament am Dienstag, zwei Tage zuvor) abgelaufen sei. Zeit der Spielchen. Berthold Kohler, der Mann von der F.A.Z., hält die Formel für einen harmlos klingenden Satz. Das ist eine buchstäblich tolle Einschätzung. Zeit der Spielchen ist die Formel der Verachtung und des Unverständnisses.

"Und dennoch sollte man das Geschehen in Britannien", schreibt Berthold Kohler, "nicht für eine politische Psychose halten, die allein unter Insulanern ausbrechen kann". Vom Spielchen zur Metapher Psychose: so wird unsereiner zum Narren gehalten. Man kann die Sprach-Verwirrung dieser beiden Akteure der öffentlichen Diskussion auch als ein deutsches, von Ressentiment geprägtes Produkt des Unwillens und der Verweigerung verstehen, dem durch den Ärmelkanal getrennten Nachbarn entgegen zu kommen und mit vernünftigen Vorschlägen hilfreich zu sein bei der konfliktreichen Auseinandersetzung um die Frage der britischen Identität, wie Jürgen Habermas das nannte - die leider mit dem flotten und vergnüglichen (für unsere öffentliche Diskussion)  Kunstwort vom Brexit belegt und zu einem realen Projekt wurde und deren zentrifugale Kraft unsere Regierung unterschätzte oder ausblendete. Es war unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich zum Sprachrohr des Kleinmuts machte, als sie vor den TV-Kameras zum Brüsseler Treffen der Regierungschefs (am 27.6.2016)  nach dem Brexit-Referendum (am 23.6.2016)  die Drohung in die Welt setzte: keine Rosenpickerei nach dem Austritt aus der Union.  Unsere Kanzlerin und unser Außenminister: die Sprachrohre (von wem auch immer instruiert) deutschen Groß-Rednertums -  keine bundesdeutschen Politiker, die verstanden hätten, dass es nach der deutschen Vernichtungsorgie klug wäre, eine Haltung großzügiger Zurückhaltung zu pflegen (s. meinen Blog Welcome! Welcome back! und Keine Rosenpickerei! vom 29.6.2016) .

(Überarbeitung: 19.1.2019)

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